Drei Tage im Juni, ein grauer Fußgängertunnel und jede Menge Sprühdosen: Zusammen mit dem Jugendhaus Nexus haben wir die Unterführung am Bahnhof Oberesslingen in ein Retro-Games-Reservat verwandelt.
Kim vom Jugendhaus Nexus hatte die Idee schon länger im Kopf: Die triste Unterführung nahe des Jugendhauses sollte den Jugendlichen aus der Umgebung gehören, nicht den Sprayern, die dort sonst ihre Tags hinterlassen. Also haben wir gemeinsam mit dem Tiefbauamt Esslingen die Fläche begutachtet und ein Motiv abgestimmt, das bei den Jugendlichen ankommt: klassische Videospiel-Helden.
Parallel zu unserer Wand ist noch ein zweites Kapitel entstanden: Auf der Fläche direkt daneben hat eine Mädchengruppe des Offenen Treffs zusammen mit der Stuttgarter Künstlerin Anika ihr eigenes Motiv umgesetzt. Damit beide Wände am Ende zusammenpassen, haben wir uns vorher zu viert – Nora und Kim vom Jugendhaus, Anika und wir – getroffen und ein grobes Konzept abgestimmt.
Am 24. Juni ging’s los. Moritz hat mit rund zehn Jugendlichen aus dem Jugendhaus unsere Fläche vorbereitet und die Skizze übertragen: 2,30 Meter hoch und 14 Meter lang. Die Motive sprechen für sich: ein grinsender Pac-Man mit rotem Geist auf den Fersen, ein NES-Controller in Wolken, dazu Link aus „The Legend of Zelda“ und ein winkender Yoshi in einer Super-Mario-Landschaft.
Bis Sonntagabend haben die Jugendlichen mit Moritz Schicht um Schicht gesprüht, dabei viel gelernt über Techniken, Kappenwahl und saubere Kanten. Die Stimmung war die ganze Zeit ausgelassen – ständig kamen Passanten aus der Umgebung vorbei, blieben stehen, fotografierten und ließen sich erklären, wer hier eigentlich Pac-Man gemalt hat.
Am Ende stand eine bunte, lebendige Wand, die den tristen Tunnel für alle, die hier täglich zur Schule, zur Arbeit oder zum Bahnhof laufen, spürbar freundlicher macht. Ein schönes Beispiel dafür, wie viel ein Wochenende mit Farbe und motivierten Jugendlichen bewegen kann – mitten in Esslingen-Oberesslingen im Landkreis Esslingen.