PRESSE ESSLINGER ZEITUNG: Alte Druckhalle wird zu Graffiti-Leinwand

PRESSE ESSLINGER ZEITUNG:Alte Druckhalle wird zu Graffiti-Leinwand

Alte Druckhalle wird zu Graffiti-Leinwand

Von Dominic Berner

Seit Montag gestalten sieben Graffiti-Künstler die Wände einer leer stehenden Rotationshalle mit knallig bunten Motiven. Dabei bringt jeder Sprayer seinen ganz eigenen Stil mit ein.

Alte Druckhalle wird zu Graffiti-Leinwand
Kosmik One hat sich auf Motive aus der Natur spezialisiert. (Foto: Patrick Kuolt)

Esslingen – Bisher waren es die Spuren der Zeit, die der ehemaligen Rotationshalle im Verlagsgebäude der Eßlinger Zeitung ein besonderes Flair verliehen haben: all die Rohre, der nackte Betonboden, die Schrammen und Spritzer an den kahlen Hallenwänden. Am Montag haben die Arbeiten zu einem weiteren Hingucker begonnen. Sieben Graffiti-Sprayer vom Kollektiv Graffiti-Stuttgart.de gestalten die Wände ganz nach ihrem Gusto, dabei entsteht eine schrille Vielfalt an aufwendigen Figuren, verschnörkelten Schriftzügen und geometrischen Formen. „Wir haben mit dieser Fläche ein weißes Blatt Papier vor uns“, erklärt Patrick Klein, der Geschäftsführer von Graffiti-Stuttgart.de. Und was auf dieser leeren Leinwand alles möglich ist, das haben die Künstler in den vergangenen drei Tagen eindrucksvoll bewiesen. Und sie sind noch nicht fertig.

Alte Druckhalle wird zu Graffiti-Leinwand
Etliche Spraydosen werden in dieser Woche verbraucht. (Foto: Patrick Kuolt)

Seitdem die Gruppe Anfang der Woche in dem leer stehenden Gebäudeflügel begonnen hat zu sprayen, hat sich einiges getan. Fünf der sieben Künstler haben sich bereits der Hallenwände angenommen, die anderen beiden stoßen vermutlich erst am Wochenende dazu.

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Für die Dosen gibt es verschiedene, spezielle Sprühköpfe, die jeweils ein anderes Ergebnis erzeugen. (Foto: Patrick Kuolt)

Jack Lack war einer der ersten, die die Halle betreten haben. Er werde auch am längsten brauchen, „wahrscheinlich vier bis fünf Tage“, sagt er. Der 25-jährige Esslinger gestaltet eine große Fläche auf der Stirnseite des etwa 800 Quadratmeter großen Raumes. Das brauche eben seine Zeit. Dabei verwendet Jack Lack nicht nur die typische Sprühdose, er greift auch zu Pinsel und Farbeimer. „Ich grundiere zunächst die Wand“, verrät er. Das bedeutet: Erst wird die Wand mit Braun- und Lila-tönen kantig und farblich abgestuft gestrichen, dann kommen die Übergänge und Details. „Normalerweise male ich mit Dosen. Hier bietet es sich aber an, mit Pinsel und Farbe dieses Trashige der Wand aufzunehmen“, sagt er. Jack Lack würde seinen Stil eher bei der Street-Art einordnen, also der Malerei im öffentlichen Raum. In der Rotationshalle findet sich aber auch klassisches Graffiti, also knallbunte, kaugummihafte Schriftzüge mit Pfeilen, Klecksen und Schattierungen, sie werden auch Pieces genannt (von Masterpiece, also Meisterstück). Astor One gehört zu den Sprayern, die ausschließlich klassische Graffitis sprayen. Direkt im Eingangsbereich prangen seine orange-grün-roten Buchstaben. Astor One war als erster fertig mit seinem Werk. Nach nur wenigen Stunden legte er die Sprühdosen beiseite.

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Der Künstler Blaze gestaltet gerne Schriftzüge, seinen Stil würde er als Semi-Wild-Style beschreiben. (Foto: Patrick Kuolt)

In einer Ecke der Halle skizziert Blaze gerade mit gelber Farbe sein Motiv an die Wand. Der 35-Jährige sprüht seit etwa 20 Jahren und lebt mittlerweile auch von seiner Kunst. „Ich mache Auftragsarbeiten bis hin zu Workshops, aber auch Event-Painting – die Bandbreite ist ziemlich groß“, sagt er. Seinen Stil würde er als Semi-Wild-Style beschreiben: „Das bedeutet, es sind Buchstaben in erster Linie und immer der gleiche Name, also Blaze. Mir geht es dabei immer um viel Dynamik, um sehr viel Schwung“, erklärt der gebürtige Allgäuer. Dabei sei es eben wichtig, sich körperlich stark einzubringen. „Das ist ein tragendes Element, dass es keine statischen, sondern dynamische Bilder werden.“ Aus den gelben Skizzenlinien forme er nach und nach einen Schriftzug, der den Gesetzen der Kalligrafie folge. Wie man das vom Schreiben mit Tusche und Feder kennt, werden dabei die Linien, die nach unten führen, breit, die aufsteigenden sehr schmal. Darüber hinaus möchte der Berufskünstler eine besondere Zeichentrickfigur auf die Wand bringen. Welche das sein wird, verrät er noch nicht.

Die Künstler-Gruppe wird noch bis kommenden Sonntag weitersprayen, es wird sich also noch einiges tun in der alten Druckhalle. In den ersten Abschnitten sind die Graffitis schon fertiggestellt, in anderen wurde erst angefangen zu sprayen. Das Gesamtbild gibt es deshalb erst ab kommenden Montag zu sehen.

Mit diesem Projekt möchte der Verlag der Eßlinger Zeitung den Künstlern eine Plattform bieten. „Hier können sich die Künstler kreativ austoben“, sagt Silke Rayer vom Marketing-Team des Verlages.

Quelle: esslinger-zeitung.de


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