Trafostationen mit Graffiti gestalten in Baden-Württemberg
Graue Trafostationen und Umspannstationen prägen fast jede Straße im Stadtbild – meistens, ohne dass sie jemand bewusst wahrnimmt. Dabei eignen sich diese kleinen Funktionsbauten hervorragend für Graffiti. Sie bieten eine überschaubare Fläche, stehen oft an belebten Ecken und lassen sich mit einem klaren Konzept in echte Blickfänge verwandeln.
Kurz erklärt
Eine Trafostation mit Graffiti zu gestalten heißt: aus einem funktionalen, aber unauffälligen Gebäude ein Stück lokale Kunst zu machen. Wir sind damit nicht nur in Stuttgart unterwegs, sondern in ganz Baden-Württemberg – ob in der Landeshauptstadt, im Umland oder in kleineren Gemeinden.
Dabei gibt es nicht nur einen Weg. Möglich ist die reine Auftragsgestaltung durch eine Künstlerin oder einen Künstler. Genauso gut kann eine Trafostation zum Stadtteilprojekt werden: als Mitmachaktion, bei der Jugendliche selbst zur Spraydose greifen, oder als Ideensammlung mit der Gemeinde und den Anwohnern vor Ort, die wir anschließend professionell umsetzen. Am Ende steht in jedem Fall ein durchdachtes Ergebnis, das der Fläche einen echten Bezug zum Ort gibt.
Wie gut das funktionieren kann, zeigt sich in ganz Baden-Württemberg. Der Landesnetzbetreiber Netze BW lässt Trafostationen, Umspannwerke und weitere Versorgungsgebäude im ganzen Land gestalten – und für einige dieser Aktionen hat unser Künstlerkollektiv bereits selbst den Sprüher geführt. Auch bei Stuttgart Netze sind in den letzten Jahren mehrere Umspannstationen im Stadtgebiet entstanden, an denen Künstler aus unserem Netzwerk mitgewirkt haben.
Für wen lohnt sich das?
Interessant ist das Thema für ganz unterschiedliche Eigentümer und Betreiber – egal ob in Stuttgart oder anderswo in der Region:
- Energieversorger und Netzbetreiber mit vielen kleinen Funktionsbauten im Versorgungsgebiet
- Kommunen und Gemeinden, die eine Trafostation im Ort aufwerten möchten
- Wohnungsbaugesellschaften mit technischen Gebäuden im öffentlichen Raum
- Schulen und Jugendhäuser, die ein Stadtteilprojekt rund um eine Trafostation umsetzen wollen
Wer bereits eine Fläche im Blick hat, aber noch keinen Künstler oder kein Konzept, findet bei uns die passende Ansprechpartnerin oder den passenden Ansprechpartner.
Ablauf und Beispiele
Wie so ein Projekt abläuft, hängt davon ab, welcher Weg gewählt wird:
- Profi-Auftrag. Eine Künstlerin oder ein Künstler entwickelt ein Motiv, stimmt es mit dem Eigentümer ab und setzt es eigenständig um. Der schnellste Weg zu einem fertigen Ergebnis.
- Stadtteilintegration als Mitmachaktion. Jugendliche aus einem Jugendhaus oder einer Schule gestalten definierte Bereiche selbst mit, während eine erfahrene Künstlerin oder ein erfahrener Künstler Vorbereitung, Konturen und Finish übernimmt.
- Jugendprojekt. Eine Schulklasse oder eine Jugendgruppe entwickelt gemeinsam ein Motiv und legt selbst Hand an – begleitet und professionell abgerundet.
- Ideen sammeln mit der Gemeinde. Anwohner und Gemeinde bringen ihre Vorstellungen und den Bezug zum Ort ein, wir entwickeln daraus ein Konzept und setzen es als Profis um.
So sieht das Ergebnis nie nach einem improvisierten Workshop aus, sondern nach einer durchdachten Gestaltung – an der die Menschen aus dem Ort, wenn gewünscht, trotzdem echten Anteil haben.
Genau solche Trafostationen haben mehrere Künstler aus unserem Netzwerk bereits umgesetzt: Bernad, Jan, Moritz, Chris und Micha haben unter anderem im Rahmen der Kooperation zwischen Stuttgart Netze und der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft Umspannstationen im Stuttgarter Stadtgebiet gestaltet. Bei Netze BW waren wir darüber hinaus direkt selbst am Werk. Diese Projekte zeigen, wie viel aus einer grauen Fläche werden kann, wenn Konzept und Umsetzung stimmen.
Worauf du achten solltest
Ein paar Punkte entscheiden darüber, ob so ein Projekt am Ende wirklich funktioniert:
- Genehmigung klären. Am einfachsten ist es, wenn bei der Anfrage bereits eine Genehmigung des Eigentümers vorliegt. Falls nicht, kümmern wir uns darum – zu den meisten Netzbetreibern haben wir bereits Kontakte, andernfalls stellen wir sie her.
- Motiv zum Ort passen lassen. Ein Bezug zum Stadtteil oder zur Gemeinde sorgt dafür, dass die Gestaltung akzeptiert wird und länger Bestand hat.
- Material für den Außenbereich wählen. Wetterfeste Farben sind bei dauerhaft im Freien stehenden Flächen wie Trafostationen Pflicht.
- Koordination nicht unterschätzen. Gerade bei Beteiligungsprojekten braucht es eine klare Abstimmung zwischen Eigentümer, Künstler und beteiligter Einrichtung oder Gemeinde.
Ein Wort noch zu einem Punkt, der uns wichtig ist: Saubere, weiße oder graue Trafostationen stehen oft ziemlich lange trist in der Landschaft – bis irgendwann jemand unautorisiert sprüht. Und siehe da, oft ist genau das der Moment, in dem Betreiber, Gemeinden und Kommunen plötzlich auf die Idee kommen, die Fläche legal gestalten zu lassen. Wir sehen das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Trotzdem ist uns eine klare Trennung wichtig: Unautorisiert Farbe aufzutragen ist nicht erlaubt, aber das ist für uns kein Vandalismus. Vandalismus heißt, etwas mutwillig kaputt zu machen. Eine legale Gestaltung steht nie im Wettbewerb mit der Graffiti-Szene vor Ort – sie ist einfach ein zusätzlicher Weg, eine Fläche zu gestalten.
Patrick Klein ist dabei das erste Bindeglied und der Ansprechpartner zwischen allen Beteiligten: Eigentümer, Netzbetreiber, Kommune, Künstler und – wenn gewünscht – Schule, Jugendhaus oder Anwohner. Als Graffiti-Beauftragter in Stuttgart übernimmt er Konzeption, Künstlerauswahl, Abstimmung mit dem Eigentümer und bei Bedarf die Organisation einer Mitmachaktion oder eines Jugendprojekts vor Ort – egal ob das Projekt in Stuttgart liegt oder anderswo in Baden-Württemberg.
Häufige Fragen
Ist Graffiti auf Trafostationen legal?
Ja, solange die Eigentümerin oder der Eigentümer der Fläche zustimmt. Bei Trafostationen ist das meist der Netzbetreiber oder die Kommune. Mit einer Freigabe ist die Gestaltung ganz legal.
Können auch Schüler, Jugendliche oder Erwachsene mitmachen?
Ja, das ist uns sogar besonders wichtig. Wir unterscheiden zwischen der klassischen Profi-Gestaltung, einem Workshop mit vermitteltem Hintergrundwissen zu Technik und Graffiti-Kultur, und einer reinen Mitmachaktion, bei der vor allem das gemeinsame Erlebnis zählt. Welche Form passt, entscheiden die Beteiligten selbst. Und selbst wenn Menschen aus dem Stadtteil nicht aktiv mit der Sprühdose an der Wand stehen, beziehen wir sie gerne mit Ideen und Wünschen mit ein – Mitsprache ist uns wichtiger als reine Beteiligung an der Sprühdose.
Was kostet die Gestaltung einer Trafostation?
Das hängt vor allem vom Aufwand ab – wie detailliert und aufwendig das Motiv ist, nicht allein von der Fläche. Ein Kostenrahmen kann auch vorgegeben werden: Wir holen dann das Maximum an Qualität und Detailgrad heraus, das im Budget möglich ist. Auch eine Mitmachaktion mit Kindern oder Jugendlichen ist dabei keine „kleinere“ Lösung, sondern einfach ein anderer Weg zum Ziel. Am besten lässt sich das im persönlichen Gespräch anhand der konkreten Fläche und Wünsche einschätzen.
Kommt ihr auch außerhalb von Stuttgart?
Ja, wir sind in ganz Baden-Württemberg unterwegs. Ob Kommune, Gemeinde oder Wohnungsunternehmen – schreib uns einfach, wo die Fläche liegt.
Wie lange dauert eine Gestaltung?
Eine einzelne Trafostation ist bei reiner Auftragsarbeit oft innerhalb weniger Tage fertig. Mitmachaktionen und Jugendprojekte brauchen zusätzlich Zeit für Planung und den gemeinsamen Termin vor Ort.
Fazit
Am Ende steht für uns ein einfacher Gedanke: graffiti-stuttgart.de und unser Netzwerk stehen für ein sauberes und buntes Stadtbild. Stuttgart und ganz Baden-Württemberg sollten so bunt sein wie unsere Gesellschaft – und jede gestaltete Trafostation ist ein kleiner Schritt dahin. Ob als reine Auftragsarbeit, als Mitmachaktion mit Jugendlichen oder als gemeinsam mit der Gemeinde entwickeltes Konzept: Mit dem richtigen Ansatz wird aus einem grauen Funktionsbau ein Stück Ortskunst, das bleibt.