Übernommen hat das Ganze Chris. Drei Tage stand er Ende April mit Spraydose, Pinsel und Hebebühne vor der Wand – die Hebebühne für die oberen Bereiche hat die Wohnungsbau Aalen gestellt. Sein Konzept: kein wildes Graffiti, sondern ein großer Schriftzug „AALEN“, der die ganze Fassade trägt. Auf den Buchstaben balancieren echte Aalener Wahrzeichen – das „L“ trägt die Römermaske, im „E“ sitzt der Spionkopf, das „N“ öffnet sich zum Stadtwappen, und der Aalbäumleturm folgt dem Doppel-A. Dazu ein Ammonit. Stadtgeschichte als Typografie, sozusagen.
Richtig stark fand ich, wie Chris an den Entwurf rangeht: erst digital auf dem iPad, direkt auf Fotos der Fassade gelegt, dann vor Ort mit der VR-Brille, um die Skizze auf die echte Wand zu projizieren und die Größenverhältnisse zu prüfen. Erst wenn alles sitzt, kommt die Dose zum Einsatz – der Rest ist dann Auge und Freihand.
Auch farblich hat er sich bewusst zurückgenommen: warme Erdtöne, Orange, Braun, ein dunkles Aubergine, passend zum verblichenen Sandton des Hauses von um 1900. Nichts, was gegen die Umgebung ankämpft.
Das Ergebnis kommt in Aalen richtig gut an – die Fotos machen in den sozialen Medien die Runde, und auch die Stadt sieht das Wandbild als echten Mehrwert für den öffentlichen Raum. Schön, wenn ein leer stehendes Haus plötzlich zum Gesprächsthema im ganzen Ostalbkreis wird.